Erklärung anlässlich der Wahlkampfveranstaltung der AfD am 01.03.2026 in Erfenbach

Die Kolpingsfamilien im Kolpingwerk Deutschland sind familienhafte und generationsübergreifende Gemeinschaften, in denen sich Christinnen und Christen engagieren.
Sie sind offen für alle Menschen, die auf der Grundlage des Evangeliums und der katholischen Soziallehre / christlichen Gesellschaftslehre Verantwortung übernehmen wollen. […]
Als Teil einer weltweiten Gemeinschaft fördern sie im Sinne Adolph Kolpings Bewusstsein für ein verantwortliches Leben und solidarisches Handeln.

Dies sind die ersten Sätze aus der Satzung unserer Kolpingfamilie Erfenbach und sie stellen das Selbstverständnis unserer Gemeinschaft dar.
Auf Basis dieses Grundverständnisses engagieren wir uns für ein gutes und solidarisches Miteinander der Menschen bei uns vor Ort, aber ebenso für ein menschenwürdiges Leben aller Menschen weltweit.
Dieses Engagement zeichnet sich nicht nur durch die Aktionen und Veranstaltungen aus, die wir mit und für unsere Mitmenschen anbieten, sondern auch dadurch, öffentlich Stellung zu beziehen, wenn wir es auf Basis unseres Selbstverständnisses für erforderlich erachten.

Die Wahlkampfveranstaltung der AfD am 01.03.2026 in Erfenbach bewegt viele Menschen in Erfenbach und auch uns.
Und gleich vorneweg: so wie wir das im Grundgesetz verankerte Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit für uns beanspruchen, ist dies selbstredend auch für die AfD-Veranstaltung geltend.
Wir wollen aber die unmittelbare Situation bei uns vor Ort zum Anlass nehmen, die Unvereinbarkeit der christlichen Grundwerte und unseres Selbstverständnisses mit den Grundsatz- und Wahlprogrammen der AfD herauszustellen.
Uns geht es dabei explizit nicht um politische Einflussnahme, sondern um die Betrachtung ethischer Werte und die Einordnung von AfD-Positionen im Hinblick auf unser Leben und Wirken hier vor Ort in Erfenbach.

Bereits 2019 hat das Kolpingwerk Deutschland in einer ausführlichen Betrachtung festgestellt, dass von der AfD propagierte Inhalte den Werten unserer freiheitlichen Demokratie widersprechen.
Das damals analysierte Grundsatzprogramm der AfD von 2016 ist übrigens auch heute noch aktuell.
Zudem hat die Bundesversammlung von Kolping Deutschland im November 2025 beschlossen, dass eine Mitgliedschaft bei Kolping mit einer Mitgliedschaft in der AfD unvereinbar ist, da die Positionen der AfD nicht mit dem Leitbild von Kolping in Deutschland vereinbar sind.

Auch die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat im Februar 2024 einstimmig einen völkischen Nationalismus mit dem Christentum als unvereinbar erklärt und sich dabei explizit auch gegen die Gesinnung der AfD positioniert.

Wir haben die gleiche Sichtweise, wollen uns aber nicht nur auf institutionelle Beschlüsse berufen, sondern eigenständig verdeutlichen, wieso die AfD für uns keine Alternative ist.

Während sich das Programm der AfD zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz in der Wortwahl noch relativ gemäßigt gibt und keine Aussagen zu Glaube und Kirche enthält, sieht dies im Entwurf des Regierungsprogramms der AfD Sachsen-Anhalt vom Januar diesen Jahres schon erschreckend anders aus und offenbart, welches Gedankengut und Menschenbild innerhalb der AfD als tragbar angesehen wird – sonst würden sich die Inhalte nicht in einem Programmentwurf für eine Landtagswahl wiederfinden.

Neben einer z.T. unsachlichen und pauschalisierenden Wortwahl sowie nachweislichen/offensichtlichen Falschaussagen sind gerade auch die Ausführungen zur Kirche eine infame Respektlosigkeit gegenüber allen engagierten Kirchenmitgliedern.

Die Haltung der AfD zu den großen Kirchen, die sie abfällig als Kirchensteuerkirchen bezeichnet liest sich in dem Entwurf wie folgt: „… weil die großen Kirchen nicht mehr den christlichen Glauben pflegen, sondern die Regenbogenideologie. Sie entfalten nicht nur keine die Gesellschaft stabilisierende Wirkung mehr, sondern treiben, im Gegenteil, das gesellschaftliche Zerstörungswerk der Altparteien mit voran.“
Und eine Seite weiter: „…die großen Kirchen schaden dem Glauben.“

Die Kirche ist aber nicht abstrakt und neben den hauptberuflichen Amtsträgern sind es insbesondere tausende und abertausende Menschen, die die christliche Botschaft der Nächstenliebe und Barmherzigkeit in die Welt trage, mit Leben füllen und so das Leben vieler Menschen bei uns vor Ort, aber auch weltweit ehrenamtlich ein kleines Stück lebenswerter machen!

Als kirchennaher Verein, in dem viele Mitglieder sich kirchlich oder krichennah ehrenamtlich engagieren, können wir eine solche kirchenfeindliche Haltung nicht unwidersprochen stehen lassen – nein, wir müssen uns ihr entschlossen entgegenstellen.

Man muss nur einen Blick auf die Angebote und Aktivitäten der kirchlichen und kirchennahen Einrichtungen in Erfenbach werfen, um sich vorzustellen, um wieviel ärmer unser Ort wäre, wenn sich die Vorstellungen der AfD durchsetzen würden: angefangen von unserer protestantischen Kindertagesstätte über den ökumenischen Frauentreff und das Seniorenangebot der kfd hin zum Partnerschaftskreis Ruanda, für dessen Schulspeiseprogramm jedes Jahr auch die Kinder als Sternsinger unterwegs sind und so im Grundschulalter lernen, was soziales Engagement und Nächstenliebe konkret bedeutet und die dieses Jahr zusätzlich einen Teil ihrer eigenen Süßigkeiten an die Tafel Kaiserslautern gespendet haben.
Nicht zu vergessen unser Kolping Blasorchester, das mit seinen beliebten Konzerten ein wichtiger Kulturträger ist, mit der Neujahrsmusik und dem Osterblasen unser Dorfleben wunderbar bereichert und zudem auch Konzerte zur Unterstützung sozialer Zwecke spielt.
Jedes Jahr dürfen wir uns an der Kerwe über eine große, aktive Straußjugend freuen, die maßgeblich von Mitgliedern unserer Kolpingjugend getragen wird.
Und auch der Kern der Stauchwiesenband ist kirchlich verankert und spielt immer wieder bei Gottesdiensten und Benefizkonzert zugunsten kirchennaher Einrichtungen.

Wir sind froh und dankbar für dieses vielseitige Engagement und freuen uns über jede Unterstützung für eine solidarische Gemeinschaft bei uns in Erfenbach.
Und in diesem Sinne geht von uns hier und heute eine klare und eindeutige Botschaft aus:
Gesellschaftliche Spaltung ist keine Alternative – wir stellen ihr christliche Nächstenliebe und solidarisches Handeln entgegen und das kriegen wir schon selbst geregelt!

Das Leitungsteam der Kolpingfamilie Erfenbach
Berthold Denzer – Georg Wendt – Kathrina Rust

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